Erfahrungen einer Helferin

Wie fühlen sich Menschen aus anderen Kulturkreisen in ihrer neuen Umgebung – und warum? Wie sollte man Ihnen begegnen? Was unterscheidet uns? Was verbindet? Warum kommt es zu Missverständnissen? Gabriele Wirtz, die seit vielen Jahren in der Flüchtlingshilfe engagiert ist und für den Caritasverband Hilfesuchende in der Kupferstadt unterstützt, gibt Antworten auf diese Fragen und berichtet aus ihrer täglichen Arbeit mit Flüchtlingen.

Das eigene Selbstverständnis

Eine Frage, die oft gestellt wird, ist: „Was können wir für Flüchtlinge tun?“ Eine simple Antwort lautet: Freundlichkeit, Verständnis und Offenheit ausstrahlen! Das können Fremde verstehen – jenseits aller Sprachschwierigkeiten und kultureller Unterschiede.

Eine Möglichkeit, sich diese Haltung anzueignen, könnte für jeden Einzelnen das Verständnis für die eigene, westeuropäische Sozialisation sein. Die individuelle, selbstbestimmte und eigenverantwortliche Entfaltung, die sich an den Grundsätzen der Freiheit und Gleichheit aller Menschen ausrichtet und Demokratie erst möglich macht, kann eine gute Orientierung für das eigene Handeln und Auftreten sein.

Aus der praktischen Arbeit mit Flüchtlingen

Ob die Flüchtlinge aus dem arabisch-muslimischen Raum kommen oder aus noch ferneren afrikanischen Gegenden, in denen animistische Strukturen (d.h. ein starker Natur- und Ahnenglaube) vorherrschen: Die Zugehörigkeit zu einer Familie, dem Clan oder einem Volksstamm hat dort eine hohe Priorität. Das Wohl dieser Gruppe steht immer über den individuellen Wüschen und Bedürfnissen des Ein-zelnen.

Vor allem in der ländlichen Tradition war dieses nicht materielle System über Jahr-hunderte hinweg die einzige Überlebensstrategie. Dem verantwortlichen Familien-oberhaupt, dem Häuptling, den Clanchefs und den Älteren wird besonderer Res-pekt gezollt. So ist es auch nicht immer üblich, eine eigene Meinung zu vertreten oder persönliche Wünsche gegen den Willen dieser Autoritäten durchzusetzen - die wichtigste Lektion in der Kindererziehung und im Zusammenleben.

Somit sind die Strukturen, die diese Menschen in Deutschland bzw. Westeuropa vorfinden, für sie oftmals noch völlig ungewohnt, wie auch die nachfolgenden Bei-spiele zeigen.

Geschenke

In den oftmals autoritären Familienstrukturen ist es üblich, dass Geschenke immer nur mit der Erlaubnis und in Absprache mit Älteren an die Kinder gegeben werden. Stofftiere verursachen durch ihre großen Augen und maskenähnlichen Gesichts-züge nicht selten sogar Angst bei Flüchtlingskindern. Weil vielen Menschen hierzulande diese Umstände nicht bewusst sind, kommt es zu Missverständnissen und zu Verunsicherung - auf beiden Seiten.

Gespräche

Dies gilt auch für Gespräche mit Flüchtlingskindern, mit denen keine direkten Gespräche ohne Absprache mit einem Älteren geführt werden sollten. Vor allem nicht, wenn von dem Gespräch eine wichtige Entscheidung abhängt, z.B. der Schulbesuch, die Teilnahme am öffentlichen Leben, Freizeit und Hobbies.

Spielzeug

Für Kinder aus anderen Kulturen ist Spielzeug nicht unbedingt wichtig. Es nimmt oftmals nicht den Stellenwert ein, den es bei in Deutschland aufgewachsenen Kindern hat, weshalb sie ggf. auch anders damit umgehen. Auch der Umgang der Eltern mit ihren Kindern ist in fremden Kulturen nicht selten ein anderer. Zum Beispiel ist es nicht immer selbstverständlich, dass Eltern mit ihren Kindern spielen. Auch sie lieben ihre Kinder, legen aber bedingt durch ihre Sozialisation mehr Wert darauf, sie sie auf ihre Rolle in der (familiären) Gemeinschaft zu erziehen. Die Teilnahme am Erwachsenenalltag, religiöse Übungen oder Familienfeste spielen eine wesentlich größere Rolle.
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